Arbeitsweise

Bei Ausstellungen werde ich immer wieder nach der Entstehung der Bilder gefragt.

In den 80iger Jahren , die Hochzeiten von VIVA, entstand das AHA-Video „Take on me“.  Man muss sich vor Augen halten dass es damals keinerlei Videoprogramme gab, sondern alles was Video war, in der Regel konventionell auf Film produziert worden ist. Dieses Video war aufgrund seiner  Optik damals revolutionär.

 

Die Vermischung von Realfilm mit gezeichnetem Trickfilm war zu dieser Zeit extrem aufwändig. Das gesamte Video musste auf Film real vorgedreht werden, geschnitten, und dann die entsprechenden Bilder nach dem Originalbild gezeichnet werden. Die Zeichnungen wurden dann wiederum auf Film einzeln abfotografiert und dieser Film dann in den Originalfilm einkopiert. Wie gesagt….hier ging nichts per PC. Alles wurde über Kopierwerke gemanagt.

Dieses Verfahren nennt sich Rotoskopie  

Es ist ein klassisches Trickfilmverfahren, was auch in den grossen Trickfilmklassikern von Disney zum Einsatz kam. Gerade in Sequenzen mit sehr schnellen Bewegungen, beispielsweise bei Tanzszenen, werden die Bewegungen mit Realfilm aufgenommen und Einzelbildweise nachgezeichnet.

Nachdem das AHA-Video sich grosser Popularität erfreute und auch einige Preise abgeräumt hatte, wollte jede zweite Band ebenfalls ein Video in diesem Style haben. Was jeden Trickfilmer in die Situation versetzte, sich mit dem Thema intensiv zu befassen. Das Problem war natürlich, dass jeder diesen Style haben wollte, sich aber kaum jemand den enormen Aufwand leisten konnte.

 

Mit Aufkommen der Grafikprogramme habe ich natürlich die Arbeitsweise auf die Möglichkeiten des PC umgestellt. Irgendwann begann ich die Zeichnung und die Koloration getrennt zu zeichnen und sie im Computer miteinander zu kombinieren.

Jedes Trickfilmbild bestand somit aus 3 Ebenen. Dem Realbild, dem gezeichneten und der Coloration (in der Regel Aquarell). Somit hatte ich die komplette Kontrolle, zwischen dem realen Film und der gezeichneten Version hin und her zu switchen und immer wieder die gezeichnete oder die reale Ebene hervorzuheben.

Diese Arbeitsweise habe ich im Laufe verschiedener Projekte immer weiter verfeinert. Die Weiterentwicklung von PC-Software kam mir dabei natürlich entgegen. Mir war aber immer wichtig, dass der gezeichnete Teil immer konventionell produziert worden ist, das bedeutet auf Papier und dann eingescannt. Ergebnisse mit Tablet haben mich nie wirklich befriedigt, da mir der Strich nie authentisch genug war und mir immer zu technisch wirkte.

 

Um einmal die Dimensionen von Trickfilm aufzuzeigen hier ein einfaches Rechenbeispiel:

Video hatte damals 25 Bilder pro Sekunde. Im Trickfilm hat man in der Regel nur jedes zweite Bild gezeichnet. Also 12 Bilder pro Sekunde. Macht in der Minute 720 Zeichnungen. Bei einer Länge eines Musikvideos von 4 Minuten 2880 Zeichnungen. Okay….Trickfilm bedeutet wie das Wort schon sagt, dass man  mit „Tricks“ arbeitet…..Kamerafahrten etc, die einige Sekunden dauern, für die man aber nur 3-10 Zeichnungen braucht und dennoch den Bewegungseffekt hat. Dafür gab es aber auch Sequenzen, auf denen sich mehrere Figuren bewegten, die dann in der Regel auch getrennt gezeichnet wurden, wo man dann pro Bild 3-4 Zeichnungen brauchte.

Somit gibt es für den Trickfilmer 2 Kriterien.

 

1. natürlich….die Zeichnungen müssen gut sein.

2. er muss schnell sein.

Trickfilm zeichnen ist immer ein Arbeiten gegen die Uhr. Ob ich pro Zeichnung 2 oder 4 Minuten brauche ist bei einem Illustrator völlig unerheblich. Bei einem Trickfilm bedeutet das ob Du 1 oder 2 Monate für den Film brauchst. Das Budget für die Filme reichte meist nur für 2 Wochen 😀

Und Trickfilm hat manchmal etwas frustrierendes. Weil es tatsächlich teilweise tolle Einzelbilder gab, die dann aber im Film eben nur 1/12 Sekunde zu sehen sind. Irgendwann begann ich die Bilder auszuplotten.  So entstanden einige Portraits von Musikern, eigentlich als Abfallprodukt aus dem Musikvideo.

Es kamen immer öfter Anfragen für Tourplakate oder ähnliches, die in dem Style und diesem Verfahren entstanden.

Letztlich habe ich dann auch meine freien Arbeiten wie Aktbilder etc, in dieser Art gemacht, die ich bis dahin immer klassisch in Öl gemalt habe,  Hier habe ich dann jedoch die geplotteten Bilder nochmals mit Farbe überarbeitet, da mir sonst der materielle Reiz der Farbe gefehlt hätte.

Am Ende kam es zu dem, was es jetzt ist.

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