pa!nt & plant

Wie vieles in letzter Zeit, ergab sich auch diese Idee aus den pa!nting-Aktionen fast wie von selber. Da ich für jedes Thema mit den Models auch immer einen passenden Hintergrund gesucht habe und auf eine Gesamtinszenierung geachtet habe, ergab es sich , dass ich anfing mit verschiedenen Materialien zu experimentieren, um unterschiedliche malerische Strukturen zu erzeugen und das Materielle in den Vordergrund zu stellen.  So packte ich mir alles, was in meinem Atellier verfügbar war. Über Leinwandreste bis Verpackungsmaterial für den Versand wie Wellpappe oder Noppenfolie.

So entstanden mit der Zeit immer aufwendigere Montagen. Irgendwann reichte das zweidimensionale nicht mehr und ich begann die Montagen in den Raum zu ziehen. Hierbei kam alles zum Einsatz, was irgendwie im direkten Umfeld greifbar war. Irgendwann begann ich auch aus dem Hof organisches Material wie verwelkte Blätter einzubeziehen.

Der Kontrast von dem Verpackungsmaterial und den organischen Formen begann micht zu reizen und ich kombinierte immer öfter Verpackungsfolien mit Blättern und Pflanzenresten.

Als letzter Impuls diente dann ein Filmbericht über eine Insel vor Norwegen, auf der Forscher Plastikablagerungen aus dem gesamten europäischen Raum gefunden haben. Über Jahre haben sich dort Schichten von Plastik abgelagert, und wurden von der Natur überwuchert.

In dem Filmbericht gibt es eine kurze Sequenz in der der Forscher mit dem Spaten die Erde absticht—in der sich Plastik und Pflanzen untrennbar miteinander verbunden hatten.

 

So schlimm dieser Bericht ist, er hatte für mich fast etwas versöhnliches. Weil er zeigte, dass die Natur mit all dem umzugehen weiss. Sie überwuchert einfach den ganzen Krempel, den der Mensch ihr zugeschmissen hat. Und macht weiter. Am Ende bleibt dann nur die Frage, ob mit uns oder ohne uns. Und diese müssen wir uns beantworten. Es ist unsere Entscheidung. Wenn unsere Intelligenz nicht dazu ausreicht….dann erleiden wir wahrscheinlich das Schicksal wie andere Spezies vor uns. Die Natur denkt in anderen Zeiträumen. und wir werden nur eine weiter Episode gewesen sein.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-plus/videos/muellinsel-norwegen-100.html?fbclid=IwAR0PjH-os5T5P-xV7OLwVJJmQAMemEA2Seb6aGlx0ZT-P1D9wdL-bx3KA6w

 

Diese Szene hat sich für mich wie eine Art Sinnbild eingeprägt, und ich habe entschieden genau sie zu thematisieren. Ich begann all meinen Kunststoffmüll nicht mehr wegzuwerfen, sondern ihn zu spülen und in Projekten zu verarbeiten. Heute kann ich sagen, dass ich seit nunmehr  3 Monaten weder Plastikmüll noch Verpackungsmaterial aus dem Versand meiner Bilder weggeworfen habe. Im Gegenteil. Mein Müll reicht gar nicht, sodass ich mich schon gezwungen sah, in der Nachbarschaft Müll zu klauen.

Aus Yoghurtbechern, Wellpappe und Plastikfolien habe ich Bäume gebaut, die jetzt im Frühling mit insektenfreundlichen Blumen bepflanzt werden. Auch Wildkräuter und alles das, was in unseren Gärten als erste rausgerupft wird, wird Platz auf diesen Objekten haben. Hier kommen mir meine Erfahrungen zu Gute, die ich beim Bau von ungefähr 15-20 Teichen gewonnen habe. Der Plan ist tatsächlich sich selbst überlassene Biotope aus dem Kunststoffmüll zu entwickeln.

 

Mit den Musikern Leo Rojas und Ronja Hilbig habe ich in diesem Ambiente eine pa!nting-Aktion zum neuen Album von Leo Rojas  durchgeführt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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