Michael „m!c“ Strogies

Vita- und Konzeptübersicht

Geboren wurde Michael “m!c” Strogies am 30.5.1959 in Düsseldorf. Schon als 6-jähriger waren seine Eltern damit beschäftigt, ihm stapelweise Papier zu besorgen, damit er mit Bunt- und Filzstiften diverse Bildergeschichten zeichnen konnte.
Als 16 jähriger spielte er als Bassist in mehreren Schulbands, was wiederum von seinem Elternhaus nicht so gern gesehen wurde. Da er von dieser Seite keinerlei Unterstützung zu erwarten hatte liess er sich seine erste Bassgitarre kurzerhand von seinem damaligen Klassenlehrer finanzieren, der sein Talent erkannte, und ihn darüber hinaus in seiner eigenen Band haben wollte.
Nach Abschluss des Abiturs galt es nun sich zwischen Zeichnen oder Musik zu entscheiden. Er bewarb sich für das Fach Kommunikationsdesign an der GHS Essen, bei der es sich um nicht weniger als den neuen Sitz der ehemaligen Folkwangschule handelte, die kurz vorher von der Abtei in Essen dorthin umgezogen war.
Hier beschäftigte er sich im ersten Schritt mit Malerei und Aktzeichnen. Sein Studium finanzierte er jedoch mit Auftritten als Gitarrist in diversen Bars und Lokalen zwischen Essen und Düsseldorf.
Über das Zeichnen der menschlichen Figur kam Strogies als alter Disney-Fan auch zum Trickfilm und studierte bei Hans Bacher, der schon damals regelmässig für diverse Disney-Filme gearbeitet hatte, die Grundlagen der klassischen Animation. Hier lernte er nicht nur gut, sondern vor allem auch schnell zu zeichnen, was später seine Arbeit prägen sollte. Im Fach Trickfilm legte er dann auch seine Abschlussprüfung zum Dipl. Kommunikations-Designer ab.
Neben den Trickfilmprojekten arbeitete er jedoch immer an seiner Malerei weiter. Malte Portraits und Akte, nahm an verschiedenen Gruppenausstellungen teil. Jedoch konnte er sich nie wirklich an den musealen Betrieb gewöhnen. Ihn amüsierte das Publikum, dass in seinen Bildern immer Dinge sehen wollte, die er nie gedacht hatte. Als er bei einer Ausstellung im altehrwürdigen Schloss Oberhausen vor einem seiner Aktbilder von einer Gruppe älterer Herrschaften gefragt wurde, was er beim Malen des Bildes empfand, antwortete er lapidar: “Ich fand die Frau einfach sinnlich.”

Tatsächlich zog es ihn nun immer öfter wieder zur Musik. “Wenn Du als Musiker einen Song schreibst und damit auf die Bühne gehst, merkst du sofort, was das Publikum davon hält. Die Leute vor dir bringen das ganz unverhohlen zum Ausdruck. Du wirst gefeiert oder von der Bühne gepfiffen.”
Neben diversen Arbeiten für die Werbung die er für die Finanzierung seines Lebensunterhaltes brauchte, suchte er in seinen freien Arbeiten immer mehr den Kontakt zu Bands. Es war die Zeit als der Musiksender Viva aufkam, und jede Band zu ihrer Musik auch ein Video brauchte. Es entstanden einige gezeichnete Musikvideos. Was jedoch mit zunehmender Professionalisierung des Mediums sich als immer schwieriger darstellte. “Die Ansprüche an die fertige Arbeit wuchsen, die Budgets die Bands und Plattenfirmen zu Verfügung hatten schrumpften’” stellte er irgendwann lapidar fest.
Mittlerweile hatte sich die Bearbeitung von Bildern über PC durchgesetzt. Strogies scannte seine Zeichnungen ein und entwickelte verschiedene Techniken am PC um die Animationen in einer für Trickfilme notwendigen Geschwindigkeit zu bearbeiten. Hierfür arbeitete er mit verschiedenen Softwareentwicklern zusammen. “Zu der Zeit war das AHA-Video “Take on me” in aller Munde. Jeder wollte eine Kombination von Real- und Trickfilm haben. Aber niemand machte sich klar, welcher Aufwand dahinter steht.”
Bezahlen konnte diesen Aufwand letztlich nur die Werbeindustrie. Was aber Strogies auf Sicht nicht wirklich befriedigte. “Irgendwie waren mir auf Dauer doch andere Inhalte als die Wirkungsweise von Nasensprays wichtig.”

Parallel zu seiner Malerei und Trickfilmarbeit entwickelte er auch ein sehr umfangreiches Cartoonkonzept: “Ich baute in meiner Freizeit sehr gerne Teiche. Ich finde das Leben, dass sich in so einem Wasserloch wie von selber bildet, einfach faszinierend. Da ich sehr oft im Ruhrgebiet umgezogen bin und überall Teiche hinterlassen habe, habe ich sicherlich nicht unbedeutend zur Klimaverbesserung in der Region mitgewirkt”.
Als mittlerweile seine Tochter Vanessa geboren war und sie ihn ständig nach dem fragte, was da im Wasser passierte, entstand die Idee zu einem Cartoon. “Da kamen dann so Fragen, wieso sich die Wasserläufer nicht erkälten, wenn die ständig mit ihren Füssen über das Wasser laufen. War doch klar. Weil die Gummistiefel tragen.”
Aus all diesen Episoden entstand über 7 Jahre nebenbei das Konzept zu “Quips”. Einem Laubfrosch, der dem Wahnsinn ein Ende machen wollte, dass die Lurche Insekten fressen. Etwas, was seine Tochter ganz doof fand. Strogies arbeitete hier Parallelen zum Kalten Krieg ein. Es kam zwischen den Lurchen und den Insekten zum Tümpelsteiner Abkommen, in dem sich die Frösche verpflichteten, keine Insekten mehr zu fressen, und die Insekten, dass sie keine Frösche mehr stachen. Was natürlich vorne und hinten nicht funktionierte.
Die ersten Stories von “Quips” wurden dann im Rahmen eines Spiele-Magazins vom Bastei-Verlag in wöchentlicher Folge veröffentlicht. Dann kaufte der Karlsruher Röser-Verlag die Rechte auf und veröffentlichte insgesamt 6 32-seitige Bände des Cartoons. “Das war eine verrückte Zeit. Ich ging morgens immer vor meinem Haus im Wald spazieren und überlegte mir die Dialoge für die Seite, die ich an diesem Tag zeichnen musste. Dabei kam es vor, dass ich über meine eigenen Gags kicherte. Das ging über fast 2 Jahre. Irgendwann holten die Nachbarn ihre Kinder rein, wenn ich das Haus verliess. Weil da wieder dieser merkwürdige Mann im Wald rumlief.”
Nach dem 6. Band wurde das Projekt von Seiten des Verlages eingestellt. Zu dem damaligen Zeitpunkt lag eine Zusage des Kindersenders Nikelodeon vor, die Comics in eine Trickfilmserie umzuarbeiten. Da der Sender jedoch in Deutschland seine Aktivitäten einstellte legte auch der Verlag das Projekt auf Eis.

Es folgte eine Einladung zu einer Ausstellung anlässlich der 3.000sten Sendung der erfolgreichen RTL-Staffel “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”. Der Springer-Verlag in Berlin veranstaltete diese unter dem Thema “GZSZ 3000”, und 14 Künstler stellten zu dem Thema der Soap aus. “Ich empfand damals den Kunstbetrieb als sehr abgehoben und elitär. Es machte mir einfach Spass, mich als Künstler mit solchen Boulevard- Themen zu beschäftigen. Ich sah es einfach als Dialogeinladung in Richtung meiner Künstlerkollegen, die über solche Dinge gerne die Nase rümpften” Zu der Ausstellungs-Vernissage in den Räumen des Springerkonzernes erschien das gesamte Ensemble der angesagten Serie. Hunderte Fans belagerten das Gebäude. “Wenn ich dann an unsere “ernsthaften” Vernissagen gedacht habe, wo immer ca 25-30 Leute vorbeischauten, und die in der Regel mehr an dem billigen Wein interessiert waren als an unseren Bilder, fühlte ich mich hier irgendwo mitten in unserer Zeit. Plötzlich war das Publikum da, dass ich beim Malen der Bilder auch immer vor meinem inneren Auge hatte.”

Von den Arbeiten der Ausstellung wählte der Produzent von GzsZ GRUNDY UFA seine Arbeit aus, die unter anderem ein Portrait der damaligen Darstellerin Yvonne Catterfield darstellte. Sie kauften es und stellten es dem jährlich stattfindenden RTL-Spendenmarathon zu Verfügung . “Natürlich liess ich es mir nicht nehmen bei der Versteigerung life im Studio dabei zu sein.“ Yvonne Catterfeld unterschrieb das Bild im Studio vor den Kameras der Presse. Letztlich wurde das Bild von Verona Feldbusch (später Poth) zu einer Summe von 11.880 Euro zugunsten der RTL-Stiftung versteigert . “Verona hatte damals noch den Deal mit der Telekom, und wir fanden die Summe sehr witzig.“ Strogies erkannte hier letztlich die Möglichkeiten der Massenmedien.
“Irgendwie war das für mich der genaue Gegenpol zu all dem, was mich als Künstler an dem klassischen Kunstbetrieb störte. Es war mir alles zu elitär, und die Künstler, die ich kannte beschäftigten sich ausschließlich mit sich selber. Das entsprach einfach nicht meiner Mentalität. Und es machte mir einen grossen Spass hier mit einem Augenzwinkern mich ganz trivialen Themen zu widmen. Und plötzlich fanden meine Arbeiten zur besten Sendezeit vor einem Millionenpublikum statt. Ich muss gestehen, das fand ich schon sehr schmeichelnd.“

Es war die Zeit, als im privaten TV die erste Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” ausgestrahlt wurde, und die gesamte Nation polarisierte. “Ich fand das extrem spannend. Allerdings weniger das, was dort auf dem Bildschirm stattfand. Ich wollte wissen, was da so im Hintergrund abging”
Strogies zeichnete einen Cartoon mit der DsdS Vierten Vanessa S. , von Dieter Bohlen immer süffisant als “Igelschnäutzchen” bezeichnet. Herausgeber des Bandes war der renommierte EHAPA-Verlag. Hier kamen ihm die ganzen Techniken seiner Trickfilmarbeit zu Gute. Er zeichnete nach Fotos, überarbeitete diese im PC. “Ich wollte wie bei den Trickfilmen eine Anmutung schaffen, die irgendwo zwischen Foto, als die Abbildung von Realität, und freier Malerei liegen sollte. Was für mich immer die fiktionale Ebene war. Und damit ein Abbild zu dem schaffen, was da ja tatsächlich in diesen Formaten stattfand. Die ganzen Stories, die sie über die Teilnehmer des Castings veröffentlichten, waren ja nichts anderes als eine pr-technisch geschickte Verknüpfung von Realität und Fiktion.” Die Charaktere der Story besetzte er mit realen Personen, die er fotografierte und zeichnete. “Mein gesamter Freundeskreis musste dafür herhalten. Mein damaliger Schwager bekam Stress mit seiner Frau, weil ich ihm in der Story ein Verhältnis mit Vanessa angedichtet habe. Die er in Wirklichkeit nie in seinem Leben gesehen hatte.”

Die “ernsthaften” Cartoonisten schmähten ihn für das Projekt im Internet. Das Zeichnen nach Fotos war eines ernsthaften Catoonisten unwürdig, und die Arbeit an einem solchen Trashformat wie “DsdS” ging gar nicht. “Als dann aber der Cartoon im Rahmen der Buchmesse vorgestellt wurde, waren alle die, die mich im Internet gedisst haben die ersten, die mit Vanessa ein Foto machen wollten.”

Tatsächlich stellte sich aber heraus, dass sein künstlerischer Ansatz von der Zielgruppe überhaupt nicht nachvollzogen worden ist. Der Cartoon verkaufte sich sehr schleppend. Strogies, der ja auch durch seine Werbeaktivitäten mittlerweile einige Erfahrung im Vertrieb gemacht hatte, handelte sofort. “Ich habe dem Verlag einfach gesagt ich organisiere mit Vanessa eine Promotiontour durch Deutschland.” Passend dazu war der Umstand, dass Vanessas erstes Album genau zu dieser Zeit bei Sony erschien. Strogies organisierte eine bundesweite Tour durch Buchläden für seinen Cartoon und Elektronicfachmärkte für Vanessas Album. “Der Andrang war super. Hier merkte ich erst einmal, was diese TV-Formate für eine Power entwickeln.” Die Tour war so erfolgreich, das Sony hinterher auf ihn zukam, ob er so was nicht öfter machen könnte.

Und plötzlich war er wieder in dem Schnittbereich zwischen Malerei und Musik.
Es ergaben sich hieraus eine Menge Cooperationen mit Musikern wie den DsdS-lern aber auch Peter Maffay, Andrea Berg, Xavier Naidoo, Puhdys, Sunrise Avenue, Apocalyptica bis hin zu Rihanna und 50cent, um nur einige Namen zu nennen. In dieser Zeit entstand auch die erste Verbindung zu Stephan Vogelskamp und NOAH!, die in dieser Zeit mit dem Musik-Camp Nordwest und Künstlern wie Wolfgang Niedecken, Andreas Bourani oder Johannes Strate durch Deutschland tourten.
Nebenbei zeichnete und malte er immer wieder Akte und Portraits mit verschiedenen Models und Musikern. “Der Mensch als Gegenstand war mir immer wichtig geblieben.”
Das Aufkommen der sozialen Netzwerke offenbarte ihm einen weiteren Vorteil. “Es war toll. Du hast Zeichnungen gemacht, stelltest die online. Und hast direkt Rückmeldungen von den Gezeichneten und seinem Umfeld bekommen. Das war genau das, was ich in der Kunst immer vermisst habe. Diese direkte Rückmeldung. Ich kam mir vor wie ein Musiker, der sein Stück schreibt, es aufföhrt und direkt merkt, ob es ankommt oder nicht.” Diese Möglichkeit liess ihn nicht mehr los.

Als nächstes begann er eigentlich fast schon aus Langeweile zwischen Weihnachten und Neujahr ein Projekt, dem er den Arbeitstitel “Face of the Net” gab. “Meine Tochter war in den Ferien bei ihren Schwiegereltern, ich saß alleine zu Hause. Da hatte ich einfach die Idee, Bilder, sogenannte “Selfies”, mir aus irgendwelchen Facebook-Profilen herunter zu laden, die zu zeichnen, wieder ins Internet zu stellen und mit dem Profil des Gezeichneten zu verknüpfen. Ohne den oder die zu fragen.” Die Reaktionen waren heftig “Es ging von total überraschter Begeisterung bis Rechtsanwaltsdrohungen. Ich hätte nie gedacht, dass man mit Zeichnungen solche Emotionen hervorrufen konnte.” Stephan Vogelskamp widerum, der das Projekt im Netz sah, war sofort angetan von dieser Wirkungsweise und entwickelte die ersten Ideen zur Einbindung dieses Projektes in Stadtentwicklungsprozesses.

Mit dem Projekt war er an dem Punkt angelangt, den er von Anfang an gesucht hatte. Die unmittelbare Auseinandersetzung mit seinem Publikum. Da er über seine Trickfilmtätigkeit sich die Techniken und das Können erarbeitet hatte, die ihn in die Lage versetzten, sehr schnell zu arbeiten, konnte er hier auch sehr schnell auf aktuelle Postings der Leute reagieren.
“Hinzu kommt natürlich auch, dass das gesamte soziale Netzwerk ja zu 90 Prozent als Plattform zur Selbstdarstellung dient. Fotos werden so inflationär veröffentlicht, dass es plötzlich etwas ganz besonderes ist, einmal gezeichnet zu werden. Malerei hat ja noch immer den Flair des Ewigen. Und es ist genau diese Wertigkeit, die plötzlich dieses von Geschwindigkeit geprägtem Medium entschleunigt. Und das ist der Punkt, den ich für meine künftigen Projekte in den Mittelpunkt stellen will.”

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